Tschick

Autos klauen, rebellieren und Sex haben – das waren die ersten Eindrücke, die wir vom Inhalt der neuen Literaturverfilmung „Tschick“ (Kinostart 15. September 2016) hatten. Als wir dann erfahren haben, dass der Ursprungsroman momentan zur Schullektüre zählt, stand für uns fest: Den Film müssen wir sehen, um seine unterschwellige, tiefgreifende Geschichte kennenzulernen und um irgendwie zu verstehen, warum wir uns damals mit Kafka, Dürrenmatt und von Kleist beschäftigen mussten 😉

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Maik ist zwar wohlhabend, aber aufgrund seiner alkoholkranken Mutter und seines sehr beschäftigten Vaters hauptsächlich auf sich alleine gestellt. Dazu kommt, dass er in seiner Klasse „der Unsichtbare“ ist und ihn sein Schwarm, Tatjana, noch nicht einmal bemerkt. Als Tschick, ein heruntergekommener russischer Spätaussiedler, in seine Klasse kommt, werden die beiden nach einer Weile Freunde und machen sich mit einem „geliehenen“ Auto auf in ein verrücktes Abenteuer. Dabei lernen sie was es bedeutet mutig zu sein und Verantwortung zu übernehmen.

Als wir den Trailer gesehen haben, hielten wir zuerst nicht viel von „Tschick“. Das mag daran liegen, dass der Trailer wesentlich cooler und aufgesetzter tut, als der Film letztendlich ist. „Tschick“ greift die Probleme der Pubertät nachvollziehbar auf und sorgt so dafür, dass sich der Zuschauer größtenteils mit den Gefühlslagen der Hauptfiguren identifizieren kann. Dazu trägt auch bei, dass auf die Hauptcharaktere Maik und Tschick ausreichend eingegangen wird und man sie so „verstehen“ kann. Der Film hat viele draufgängerische Elemente und fokussiert sich sehr auf die Feel-Good-Momente des Roadtrips. Das ist zwar in einer Hinsicht etwas oberflächlich, allerdings wird das Abenteuer nicht langweilig oder künstlich spannend gemacht (diese Problem hatten wir ja gerade erst bei Nerve) und ist zudem angereichert mit Parallelen zu einschlägiger Literatur und kulturellen Elementen. Man muss „Tschick“ außerdem zu gute halten, dass man ihm in seiner Machart nur selten anmerkt, dass es ein deutscher Film ist (man hat sogar nur einmal Erbrochenes gesehen). Wir haben viel gelacht und uns gut unterhalten – lediglich das Ende war uns etwas zu schnell und zu offen.

„Tschick“ ist eine charmante und lustige Mischung zwischen Unterhaltung, pubertären Problemen und Bildung. Man könnte fast sagen: Fack ju Göthe in intelligent. Wir befürchten allerdings, dass der Film für die eigentliche Zielgruppe zu wenig „Coolness“-Faktor hat, obwohl er wirklich solide Unterhaltung bietet.

8 von 10 Maiskörner

Das Buch haben wir nicht gelesen.

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7 Gedanken zu “Tschick

    1. Schön, wenn dir der Film trotzdem gefallen hat. Wir haben gelesen, dass es eine recht gute Buchverfilmung ist, obwohl einige Szenen fehlen. Aber das muss ja schließlich manchmal sein und es ist auch gut so, dass die Szenen nicht alle zwanghaft reingequetscht wurden.

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  1. Pingback: Kritik: Tschick und das Lebensgefühl kleiner Jungs – filmexe

    1. Sarah

      Zugegebenermaßen sind wir nicht die allergrößten Fans deutscher Filme. Insbesondere weil diese oftmals so über-inszeniert, aufgesetzt und zwanghaft wirken. Vor allem bei Komödien haben wir beobachtet, dass man oft Erbrochenes präsentiert bekommt – eventuell um die Szene lustiger zu machen oder warum auch immer. Auch in Tschick gab es eine solche Szene, die letztendlich völlig überflüssig war. Und so war es eben auch in anderen Filmen wie bspw. Männertag, Wie Männer über Frauen reden, Doktorspiele, usw.
      Natürlich gibt es solche Szenen auch in Hollywood-Filmen zur Genüge, aber die Verwendung des Wortes in diesem Kontext war eher eine Metapher für häufige Elemente in deutschen Filmen, die uns nicht gefallen. Aber wie das nunmal so ist mit den Meinungen: Darüber kann man sich natürlich streiten 🙂

      Viele Grüße!

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      1. Gut, ich schaue anscheinend andere deutsche Filme als ihr. 😉 Die anderen genannten Beispiele sagen mir nämlich gar nichts. Aber Komödien sind (da stimme ich zu) in Deutschland tatsächlich ziemlich platt und vorhersehbar. Abseits davon ist die deutsche Filmlandschaft aber dennoch sehr breit gefächert und wartet mit einigen besonders gelungenen Exemplaren auf, ganz ohne Erbrochenes… 🙂

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