Autokino

Filme und Autos  – in den 1950ern zwei gesellschaftlich sehr relevante Faktoren des amerikanischen Lebens. Richard Hollingshead Jr, Sohn eines Autopflegemittelherstellers, hat das früh erkannt und daraus etwas erschaffen, was vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zur Goldgrube und Markenzeichen Amerikas werden sollte: Das Autokino.

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Bei dem Gedanken daran verfallen wir oft in Nostalgie und stellen uns prachtvolle Oldtimer auf den Autokinoplätzen und heimliche Liebeleien in der letzten Reihe vor. Es war ein Treffpunkt für Familie und Freunde und eine abwechslungsreiche, ungezwungene Freizeitbeschäftigung. Es bedeutete Spaß und Wohlstand. Es ist ein Symbol des amerikanischen Traums.

Doch eine Leinwand, wie im ersten Autokino in Camden, New Jersey – nämlich eine weiß gestrichene Wand, gibt es wohl nirgends sonst. Im Gegenteil: Durch die rasend schnell fortschreitenden Technologien wurden die romantischen Autokinos immer mehr von klimatisierten und modernen Kinos verdrängt, die Filme zu jeder Tageszeit und in einer größeren Auswahl anbieten können. Heutzutage gehören Autokinos zur aussterbenden Rasse, doch sobald man eins besucht hat, wird man in den Bann der amerikanischen Nostalgie gezogen.

Wir haben kürzlich einen Ausflug in das Amerika der 1950er Jahre unternommen, denn wir haben das DRIVE IN Autokino bei Stuttgart besucht und dort „Girl on the Train“ gesehen. Doch der Film ist dabei zweitrangig, auch wenn das Autokino auf den ersten Blick gänzlich unspektakulär war. Zwei riesige Parkplätze, zwei große Leinwände, zwei Container mit Projektoren und ein Bistro, natürlich ganz im amerikanischen Stil. Vor Filmstart, haben wir im Bistro einen gepflegten Cheeseburger gegessen. Danach haben wir alles vorbereitet, d.h. die Rückbank im Auto umgeklappt, alles mit Kissen und Decken ausgelegt und die richtige Frequenz im Radio eingestellt, sodass wir auch in den Genuss der Tonspur des Films kommen konnten. Die hat zwar ein wenig gewackelt, aber spätestens als wir alle 15 Minuten die beschlagene Scheibe wischen mussten, wussten wir: Im Autokino macht man eben Abstriche – und das für eine besonders coole Erfahrung. Im Werbeblock kam dann auch keine „Bitte schalten Sie Ihr Handy aus“-Werbung, nein, das Handy kann ruhig klingeln. Stattdessen kam der Hinweis, bitte die Scheinwerfer auszulassen, was bei den neuen Autos manchmal gar nicht so einfach ist.

Und natürlich: Die Kinobesucher, die bereits bei der letzten Szene aufstehen und nahezu aus dem Saal „rennen“, gab es auch hier. Abspann und zack – Motor an und nichts wie weg. Wir fragen uns jedes Mal aufs neue: Warum?

Fazit: Ein Besuch im Autokino ist definitiv eine Erfahrung wert. Es ist wie ein kurzer Ausflug in die goldene Ära von Amerika.

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4 Gedanken zu “Autokino

  1. War auch mal in Stutgart unterwegs, aber wie du schon schreibst, rückt der Film etwas in den Hintergrund. Habe die Erfahrung genossen, aber bleibe lieber im Kino oder daheim vor der Glotze. Da habe ich dann keinen rauschenden Ton und muss auch keine verwaschenere Bildqualität hinnehmen.
    Für ein Date hingegen gibt es fast keinen besseren Ort 🙂

    Gefällt 1 Person

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