Die magischen 10 Maiskörner

Es liegt wohl in der Natur des Menschen skeptisch zu sein. Skeptisch, voller hoher Erwartungen und stets aufs Vergleichen bedacht. Ist das der Grund, warum wir im Jahr 2016 bisher keinem der bereits 94 Kinofilmen die höchste Bewertung gegeben haben? Auch keiner der von uns in der Jahresvorschau gerankten „Top-Filme 2016“ hat von uns 10 Maiskörner bekommen.

8 Punkte bekommt jeder Film, den wir gut finden, aber von dem wir wissen, wir werden nicht noch Monate später davon reden. 9 Punkte bedeutet dann schon, dass er uns sehr begeistert hat, wir uns lange damit beschäftigen und jederzeit wieder anschauen würden. Aber 10 Punkte? Was rechtfertigt 10 Punkte? Gibt es den perfekten Film in einer so subjektiven Welt, die von unvorstellbar vielen verschiedenen Geschmäckern und Meinungen geprägt ist? Und was für einen Einfluss hat das Bloggen auf die Bewertung?

Viele Menschen sagen, dass Blogger nur ihren Frust an einem Film auslassen müssen, weil sie ihn nicht mehr genießen können. Das ist natürlich einerseits Quatsch, da wir nicht in die Filme gezwungen werden, aber ist nicht auch ein Stückchen Wahrheit dabei? Wir haben einige Filme in unserem Leben gesehen, die wir als „Lieblingsfilme“ betiteln und die wir fast auswendig können. Wir haben uns dieses Jahr schon ein paar Mal dabei erwischt, als wir uns fragten: „Warum gibt es dieses Jahr keine herausragenden Filme? In den letzten Jahren waren so viele 10-Punkte-Filme dabei.“

Ende 2015 haben wir mit dem bloggen über Filme angefangen und ja – auch in unserem Jahresrückblick 2015 hatten wir einen Film mit der höchsten Bewertung dabei. Aber hat „Kingsman – The Secret Service“ nur deshalb die 10 Maiskörner bekommen, weil wir ihn erst Monate später bewerten haben? Und ist das nicht vielleicht auch der Grund, warum wir denken, in den letzten Jahren waren so viele „perfekte“ Filme dabei? Wir sitzen mehrfach in der Woche im Kino und sehen einen Film nach dem anderen. Wenn man so viel sieht, wird man geübter darin auch die Schwächen zu sehen und man fängt an zu vergleichen oder zu viel zu nörgeln. In gewisser Weise haben wir selbst den Anspruch an uns, zwar immer noch subjektiv zu bewerten, aber dennoch viele verschiedene Aspekte zu beleuchten – das heißt, man reflektiert viel mehr über einen Film, als wir es vor „Popcornfilme“ getan haben. Wir machen uns mehr Gedanken darüber und versuchen auch objektive Kriterien zu erfüllen, denn wie hilfreich wäre eine Kritik, in der lediglich stünde: „Der Film ist toooooooll. Wir lieben ihn“. Und sobald man über diese Aspekte nach denkt, wird der Gesamteindruck des Filmes relativiert und obwohl man vielleicht im Gesamtkonzept begeistert war, werden doch nur wieder 9 Maiskörner vergeben, weil man in bestimmten Bereichen eben doch kritisieren muss und das dann wieder nicht „perfekt“ bedeutet.

Dazu kommt, dass wir als Popcornfilme-Team fast alle Filme gemeinsam sehen und dann danach in der Besprechung auf einen gemeinsamen Nenner kommen und wir uns so ein wenig selbst davon abhalten uns zu sehr von totaler und kurzfristiger Begeisterung und Emotionen leiten zu lassen.

Aber traut euch. Hört auf euren Instinkt und lasst es uns wissen, wenn wir mal wieder viel zu kritisch waren, obwohl der Film für euch vielleicht perfekt war! Wir werden weiterhin unser Bestes geben, nach Bauchgefühl zu entscheiden und klitzekleine Fehlerchen im Schnitt zum Beispiel einfach zu „übersehen“, denn mal ehrlich: Ist doch egal, Hauptsache man hat Spaß!

Verratet uns doch welcher eurer letzter 10-Maiskörner-Film war und welchem zukünftigen Film ihr das prophezeit?

Und wie würdet ihr unsere diesjährigen 9-Maiskörner-Filme bewerten?

Creed | Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten | Zoomania | Ein Mann namens Ove | Whiskey, Tango, Foxtrott | The Nice Guys | Trolls | Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

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2 Gedanken zu “Die magischen 10 Maiskörner

  1. Ich finde es nicht weiter tragisch, dass es keiner der bewerteten Filme auf 10 Maiskörner gebracht hat.

    Kritik ist gut – und wie ihr ja geschrieben habt: Wenn man mehr sieht, lernt man mehr, auf was man achten kann/soll, entsprechend kritischer wird man dann auch.
    Mit dem Theater ist es das Gleiche: Das sehe ich jetzt auch anders als von zwanzig Jahren.

    Also immer schön so weiter machen, ich finde es in Ordnung so.

    Und vielleicht kommt ja wirklich mal ein Film, bei dem Ihr beide der Meinung seid:
    Das ist eine Zehn!

    Mit selbst fällt jetzt spontan kein 10-Korn-Film ein. Es gibt 2-3 Filme, die ich zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählen würde, aber ob ich denen 10 Maiskörner geben würde?

    Ich denke, das wären als erstes mal „Highlander“ – aber nur der erste Teil. (Der erste Film überhaupt, in dem ich in kurzer Zeit 3 Mal (oder waren es mehr) im Kino war.
    Außerdem – als mein allererster Lieblingsfilm überhaupt: „Zwei Glorreiche Halunken“.

    Und wenn ich jetzt noch so nachdenke… ich glaube, „Platoon“ hatte mich damals schon stark beschäftigt.

    Gefällt 2 Personen

  2. So spontan fällt mir ROOM als 10-Punkte-Film ein. Aber dieses Jahr war wirklich ein schlechtes Kinojahr und ich fände es falsch einfach einen Film als „perfekt“ zu bewerten nur damit man dann halt einen 10-Punkte-Film hat. Man sollte seine Leser und auch sich selbst nicht belügen. Meine „TOP10-Lieblingsfilme des Jahres“ wird dieses Jahr nur eine TOP 6 oder eine TOP7, einfach weil ich nicht einsehe, mir irgendwelche Filme aus den Fingern zu saugen. Einem schlechten Kinojahr darf man ruhig anmerken, dass es ein schlechtes war.

    Zur Bewertung von Filmen habe ich kürzlich auch was geschrieben (https://filmkompass.wordpress.com/2016/11/28/filmbewertung-nach-zahlen/). Ich persönlich finde es schwierig überhaupt den filmischen Eindruck auf einen Zahlenwert herunterzubrechen. Besonders, wenn jedes Filmportal ein eigenes Bewertungssystem hat.

    Gefällt 1 Person

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